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Lissos
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Lissos
Urbanistik und sozio-ökonomische Strukturen einer hellenistischen Polis in Illyrien

Blick von Akrolissos auf die Zitadelle von Lezha/Lissos (LIS-06-0868)   [zoom]
Die eindrucksvollen Stadtmauern sowie die literarischen Nachrichten bezeugen, dass Lissos (heute Lezha in Nord-Albanien) zu den bedeutenden hellenistischen Städten Illyriens gehörte. Nach bisherigem Forschungsstand wahrscheinlich in frühhellenistischer Zeit gegründet, war es zeitweilig Sitz illyrischer Kleinkönige. Das Siedlungsgebiet, das heute nur wenige Kilometer vom Adriatischen Meer entfernt liegt, zieht sich bis auf eine Höhe von 165 m ü. N.N.; überragt wird die Akropolis von dem 410 m hoch gelegenen Akrolissos auf dem Nachbarberg, dessen Einnahme durch Philipp V. im Jahre 213 v. Chr. während des Ersten Makedonischen Krieges der Historiker Polybios (8, 5, 16) beschreibt. Lissos gehörte zum Reich des letzten illyrischen Königs Genthios von Scodra, als es im Jahr 168 v. Chr. an Rom fiel. Ab 118 v. Chr. war es die südlichste Stadt des neu gegründeten 'Aufgabenbereiches' Illyria. Im Bürgerkrieg zwischen Pompeius und Caesar stand Lissos auf der Seite Caesars, nachdem die Garnison des Pompeius vertrieben worden war. Caesar (civ. 3, 29, 1) berichtet, dass er die griechische Polis Lissos dem dort entstandenen conventus civium Romanorum attribuierte und die Befestigungen erneuern ließ. In der Kaiserzeit war Lissos/Lissus Straßenknotenpunkt und Hafen und lag als südlichste Stadt der Provinz Dalmatia am Schnittpunkt zwischen dem lateinischsprachigen Westen und dem griechischsprachigen Osten. Schon im Vertrag von 228 v. Chr. markierte Lissos den südlichsten Punkt des illyrischen Einflussgebietes gegenüber dem griechischen.
Als eine in einer hellenisierten Region neu entstandene Polis bietet Lissos die Chance, die Funktionsweise einer hellenistischen Stadt im südillyrischen Raum in ihrer Abhängigkeit vom griechischen Kulturbereich zu untersuchen und die Entwicklung dieser Stadt bis in die frühe Kaiserzeit nachzuzeichnen. Ausgehend von der Annahme, dass sich die während dieser fast drei Jahrhunderte deutlich verändernden politischen Rahmenbedingungen auf das Stadtbild und die urbane Struktur auswirkten, sind Entwicklungen in der Organisation des öffentlichen, sakralen und privaten Raumes zu erwarten, die Rückschlüsse auf die sich wandelnden politischen und sozio-ökonomischen Verhältnisse zulassen. Aufgrund der Lage von Lissos sind darüber hinaus Erkenntnisse zu den Hellenisierungs- und Romanisierungsprozessen in der Region möglich.
Im Gegensatz zur Mehrzahl der neuzeitlich überbauten antiken Stätten Albaniens bestehen in Lissos - mit seinen gut erhaltenen Stadtmauern sowie seinem die Gedenkstätte des Nationalhelden Skanderbeg umgebenden Archäologischen Park - ausgezeichnete Voraussetzungen für Ausgrabungen.


Letzte Änderung: 30.10.2007